Gemeinsames Musizieren als Exempel für eine bessere Welt - ein Neujahrswunsch

Das Weihnachstoratorium, aufgeführt vom Mozart Chor Andechs unter Anton Pfell. Foto: Franz Xaver Fuchs
Das Weihnachstoratorium, aufgeführt vom Mozart Chor Andechs unter Anton Pfell. Foto: Franz Xaver Fuchs

Zusammen zu musizieren hat etwas Wunderbares. Einzelne Teile fügen sich zusammen zu einer Harmonie, die unglaublich viel Freude und Befriedigung erzeugt.

 

Als ich in Andechs das Weihnachtsoratorium mitsang, wurde es mir besonders deutlich, dass gemeinsames Musizieren ein wunderschönes Beispiel für ein harmonisches Zusammenleben ist.

 

Jeder einzelne Teil des Ensembles, sei es Chorsänger, Orchestermitglied, Solist oder Dirigent spielt eine einizigartige Rolle und ist notwendig für das Funktionieren der Aufführung. Auch wenn es 15 Soprände im Chor gibt, ist doch jede einzelne Stimme wesentlich, damit der Klang voll und schön ist. Jeder achtet auf den anderen, um stimmlich optimal zusammen zu passen. Gleichzeitig ist es möglich, ab und zu in Ruhe Luft zu holen, ohne dass dadurch das Stück auseinanderbricht - man kann sich auf die Mitsänger verlassen, die die Lücke füllen. Genau so ist es im Orchester, wo sich Spieler gegenseitig helfen können, die Noten umzublättern, während der andere weiterspielt.

 

Solisten sind exponierter. Sie können sich nicht auf andere verlassen, die für sie weitersingen oder weiterspielen. Aber sie werden vom Basso continuo begleitet und haben dadurch immer eine Stütze. Um Solist zu sein, muss man Fähigkeiten besitzen, die viele nicht haben. Das setzt die Solisten von den anderen Teilnehmern ab; doch hätte der Solist ohne Chor und Orchester keinen Rahmen für seine Solo-Einlagen. Gleichzeitig geben die Solo-Einlagen Chor und Orchester die notwendigen Pausen, um wieder bereit zu sein für den nächsten Einsatz.

 

Der Dirigent schliesslich ist jemand, dem man 95% vertraut (aber man sollte immer selbst auch mitzählen, denn auch ein Dirigent ist ein Mensch, der Fehler macht). Der Dirigent gibt an, wie wir Musik machen, schnell oder langsam, laut oder leise, zärtlich oder strahlend. Und man folgt ihm. Das Wichtige dabei ist: dies Folgen hat nichts mit Zwang zu tun, sondern mit Freude und Glück und Gemeinsamkeit. Jeder versteht, dass wir eine umso schönere Musik erzeugen, je mehr wir uns aufeinander abstimmen.

 

Was hat das mit einer nachhaltigen Gesellschaft zu tun? Sehr viel. Denn ein Musikensemble zeigt im Kleinen, was uns im Großen oft noch fehlt:

 

1. Ein Dirigent, dem wir vertrauen, und dem man gerne folgt. Jemand, der oder die es schafft, mit Freundlichkeit, Kompetenz und Bestimmtheit alle "Mitspieler" dazu zu bringen, ihre Energie zu etwas Großem zusammen zu führen. Jemand wie Bill McKibben von 350.org. Doch wer ist der Dirigent in Deutschland oder Europa?

 

2. Solisten, die Fokus auf wesentliche Bereiche erzeugen, sich aber auch wieder zurücknehmen können, um anderen Raum zu geben. Solche Solisten sind Persönlichkeiten, die sich für eine lebenswerte Zulkunft einsetzen, wie z.B. Prof. Schellnhuber oder Prof. Rahmstorf.

 

3. Chor und Orchester, die tragende Musik, ist die Zivilbevölkerung, die sich für unsere Zukunft einsetzt. Doch das Stück, das wir im Moment aufführen, erscheint oft sehr modern mit vielen unzusammenhängenden Tonfolgen und Dissonanzen. Um aus diesem Gewusel mehr Harmonie zu erzeugen, benötigt es

 

  • den Willen für Harmonie
  • Achtsamkeit füreinander
  • einen Drigenten, der Chor und Orchester führt

 

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass wir mehr aufeinander hören und achten, um 2016 gemeinsam effektiver unserem Ziel  - eine lebenswerte Zukunft für alle Lebewesen auf unserem Planeten - ein großes Stück näher zu kommen.

 

Maiken Winter

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Kommentare: 2
  • #1

    Antje Schildbach (Montag, 04 Januar 2016 17:16)

    Ein schöner und passender Vergleich: Gemeinsames Musizieren - Gemeinsamkeit in der Gesellschaft. Allerdings: Beim gemeinsamen Musizieren verfolgen alle (hoffentlich) das gleiche Ziel - in unserer heterogenen Gesellschaft ist es natürlich viel schwieriger, zu gemeinsamen Zielen zu finden...

  • #2

    Maiken Winter (Montag, 04 Januar 2016 19:46)

    Bei der Arbeit am Klimaschutz gibt es nur ein Ziel, das uns ein Überleben ermöglicht: Die Treibhausgas-Emissionen so schnell und stark wie möglich zu senken. Dazu gibt es viele nötige Ansätze, wie das Umsteigen auf erneuerbare Energien, das Umstellen auf fleischfreie oder zumindest fleischarme Kost, das Radeln statt Autofahren, das Reduzieren des eigenen Konsums,...all diese Ansätze sind wie die einzelnen Stimmen im Orchester und Chor: Schön, aber sie reichen nicht aus. Nur zusammen ermöglichen sie, unser Ziel zu erreichen.
    Das zu erkennen, und dementsprechend zusammen zu arbeiten, das ist leider oft noch nicht der Fall.