Leserbriefe

Nicht zeitgemäßes Bauen und Zeitkapsel

6.10.2020

Zum Merkur-Artikel vom 6.10.2020: " 10.000 Stoa Besucher" und zur Eröffnung der Berufsschule in Weilheim

 

Klimaneutrales Bauen ist leider bisher in unserem Landkreis noch nicht angekommen. Dass die Zementproduktion (die ja die Grundlage für Beton darstellt) fast 7% der weltweiten CO2-Emissionen verursacht, und man daher durch Betonbauten nicht gerade den Klimaschutz fördert, scheint kaum jemanden zu jucken. Holzbauten (natürlich mit regionalem Holz) sind nicht nur klimafreundlicher, sondern sehr viel angenehmer, wärmer und wohltuender für Körper und Seele als Betonklötze, die sich in keinster Weise in die Natur fügen. Es wäre dringend Zeit, dass Bausektor, Auftragsgeber und auch einige Künstler umdenken und den Gebrauch von Beton aus ihrem Portfolio streichen. Statt sich bei den zukünftigen Generationen zu entschuldigen, dass wir im Jahr 2020 immer noch nicht fähig waren, effektiv die Klimakatastrophe aufzuhalten, sollen sich die Menschen, die im Jahr 2090 die Zeitkapsel der Berufsschule öffnen, über eine Schulstunde, ein Lineal und einen Bleistift freuen?! Gut, dass von uns „Alten“ dann keiner mehr lebt – die Scham über unser eigenes Nicht-Handeln würde dann sogar diejenigen überwältigen, die heute so tun, als müssten wir nicht dringlichst umsteuern.

 

Auch die Kutschenverkäufer mussten einst umpolen

22.9.2020

zum Artikel (Licht am Ende des Tunnels“ vom 16. September 2020 im Münchner Merkur)

 

Ein Licht würde aufgehen - nicht wenn mehr Autos verkauft werden, sondern ganz im Gegenteil: Wenn wir endlich begreifen, dass Individualverkehr keine Zukunft haben kann und darf (natürlich mit Ausnahmen für manche Berufe). Der Klimawandel schreitet unbeirrt weiter, Söder möchte Wasserleitungen nach Franken bauen wegen der zunehmenden Trockenheit, die Wissenschaft publiziert immer beunruhigendere Fakten über Kipp-Punkte und große Mengen an Klimaflüchtlingen – und wir freuen uns über eine Zunahme des Autoverkaufs?! Auch die Kutschenverkäufer mussten einst umpolen; genauso wäre es dringend an der Zeit, dass Autohändler überlegen, was sie in Zukunft verkaufen wollen. Wenn in den nächsten Jahren der Auto-Absatz einbricht, da endlich durch politische Auflagen der ÖPNV stark verbilligt wird und Autos Luxusware werden, dann darf sich keiner beschweren, von dieser Entwicklung überrascht zu werden. Übrigens zerstören auch E-Autos unsere Landschaft. Wir sollten endlich umdenken und ein System ermöglichen, in dem ein Leben ohne Auto auch für bequeme Menschen möglich ist – und eine Gesellschaft, die sich wundert, wenn ein gesunder Mensch für eine Fahrt ins Auto steigt, die man ebenso gut mit dem Radl oder ÖPNV zurücklegen kann. Mit weniger Autofahrten und weniger Autos insgesamt erübrigt sich übrigens die Frage nach einer Umgehungsstraße. Denn die ist dann vollkommen überflüssig.

 

Stolz auf Klimaforschung – und auf Klimaschutz?

9.9.2020

Zum Artikel „Starkregen-Forschung! Vom 9.9.2020

 

Weilheim wurde für eine Studie zu Starkregen ausgewählt, denn durch den Klimawandel gibt es in unserer Region „ein ansteigendes Risiko im Zusammenhang mit Starkniederschlägen und einen erheblichen Anpassungsbedarf“. Bürgermeister Loth ist „stolz“, dass Weilheim Teil der Studie ist und als „Pilotkommune helfen kann.“ Das ist schön. Aber unverständlich und inkonsequent. Wenn erkannt wird, dass der Klimawandel auch in unserer Region enorme Schäden anrichten kann - warum ist es dann nicht auch möglich, für Weilheim – oder auch den ganzen Landkreis – den Klimanotstand auszurufen und entsprechend sofort und konsequent zu handeln?

 

Corona hat sofort drastische Veränderungen in unserem Leben ermöglicht. Der Notstand war und ist hier klar und verständlich: Die unmittelbare Gefährdung vieler unserer Mitbürger, die es zu schützen gilt. Auch durch den Klimawandel sind wir unmittelbar bedroht. Warum ist es dann so schwer, diese Bedrohung endlich ernst zu nehmen, sie beim Namen zu nennen und stolz darauf zu sein, eine Pilotkommune im Klimaschutz zu werden?

 

Zum Wohl zukünftiger Generationen

8.9.2020, Münchner Merkur

zum Leserbrief vom 5./6. September „Wissenschaftliche Erkenntnisse“ von Mafred Deckert

 

Immer mehr Menschen interessieren sich für die Wissenschaft – das ist eine wunderbare Entwicklung. Nur wird es schwierig, wenn Nicht-Wissenschaftler meinen, die Wissen-schaft zu kennen und daher Schlüsse ziehen, die vollkommen unwissenschaftlich sind.

Es gibt tatsächlich Wissenschaften, die zu 100% richtige Aussagen machen können. Wenn ich in meinem Garten einen Stein in die Hand nehme und fallen lasse, dann fällt er mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit auf den Boden.

 

Diese Art von Aussage kann man in Systemen nicht treffen, die von einer Unmenge von Faktoren beeinflusst werden. In der Klimawissenschaft kann man Entwicklungen so gut wie möglich durch Klimamodelle ermitteln.

 

Wenn diese Modelle die vergangenen Klimaentwicklungen sehr gut nachvollziehen, dann sind sehr wahrscheinlich alle relevanten Faktoren im Modell enthalten; und dann ist es sehr wahrscheinlich, dass das Modell auch zukünftige Klima-Entwicklungen gut beschreibt. Die derzeitigen Modelle geben an, dass der Mensch mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit die Ursache für den Klimawandel ist.

 

Natürlich kann man sich sagen: „Das glaube ich nicht. Ich halte mich lieber an die 5%-ige Wahrscheinlichkeit und genieße mein Leben wie gehabt.“ Es ist unsere Entscheidung, ob wir uns trauen, die Aussagen der Wissenschaft so ernst zu nehmen, wie sie sind und entsprechend handeln - oder uns lieber wegducken - zum Leidwesen aller zukünftiger Generationen.

 

Es steht nicht nur viel auf dem Spiel, sondern alles, was uns lieb ist."

4.9.2020

Zum Artikel „Klimaschutz: Das Ziel ist klar, der Weg nicht“ vom 20. August:

 

 „Weilheim muss klimaneutral werden“– das ist ein wichtiges Ziel. Aber es macht einen großen Unterschied, bis wann und wie die Klimaneutralität erreicht wird, und für wen die Klimaneutralität gilt – für die Stadt Weilheim oder alle Bürger. Für effektiven Klimaschutz muss Klimaneutralität die Emissionen aller BürgerInnen mit einbeziehen. Dazu sollten sie viel stärker – beispielsweise über Bürgergutachten – eingebunden werden.

 

Eine neue Studie des Umweltbundesamtes (Big Points des ressourcenschonenden Konsums) zeigt, in welchen Bereichen jeder Einzelne am effektivsten Emissionen mindern kann. So ist die effektivste Maßnahme im Bereich Mobilität zum Beispiel: Abschaffen des eigenen Autos; im Bereich Konsum: Weniger kaufen; im Bereich Wohnen: weniger Fläche bewohnen.

 

Wie kann die Stadt Weilheim solche Maßnahmen unterstützen und gleichzeitig für alle ein gutes Leben ermöglichen? Ein wichtiger Ansatz ist dabei auch der Preis: Wenn klimaschädliches Verhalten teurer wird, dann würden mehr Menschen klimafreundlich handeln. Daher sind Ideen, wie die Parkgebühr von 25 Euro, die in Garmisch-Partenkirchen diskutiert wird, durchaus überlegenswert.

 

Insgesamt gilt: Die notwendigen Änderungen sind tiefgreifend, aber auch positiv: Fokus auf das Wichtige (Gesundheit, Gemeinschaft, artenreiche Natur, stabiles Klima), Abkehr vom Glauben an das „immer mehr“, Achtsamkeit füreinander und Freiheiten für Individualisten.

 

Ja, es geht um einen Systemwandel, aber das hat nichts mit linker Träumerei zu tun, sondern mit einem dringenden Überlebenswillen. Es sollte klar sein: Der Klimawandel wartet nicht auf uns. Es steht nicht nur viel auf dem Spiel, sondern alles, was uns lieb ist.

 

Daran sollte sich nicht nur der Weilheimer Stadtrat orientieren, sondern alle Gemeinden in unserem Landkreis und darüber hinaus. Dabei könnten wir ein wichtiges Zeichen setzen.

 

Corona versus Klima

März 2020

 

Flüge werden gestrichen, Produktionsketten eingestellt, die Börse reagiert sofort und viele Menschen begreifen: Der Klimawandel ist eine ernsthafte Gefahr , die wir als Menschheit so schnell wie möglich in den Griff bekommen müssen, um großes Leid auf der ganzen Welt zu vermeiden.

 

Nein, halt, das war anders: Der Coronavirus ist eine ernstzunehmende Gefahr, die wir als Menschheit in den Griff bekommen müssen. Auch gut. Aber die Reaktion auf den Coronavirus ist erstaunlich in Relation zu weit größeren Gefahren – wie der Luftverschmutzung (Jährlich ca 6 Millionen Tote weltweit), Autounfälle (> 1 Millionen Tote pro Jahr weltweit) und vor allem dem Klimawandel (mindestens 250.000 Tote pro Jahr ab dem Jahr 2030 – und diese Rate ist nur der Anfang einer globalen Katastrophe).

 

Wenn wir Angst um unsere Gesundheit, ja unser Überleben haben, warum reagieren wir dann nicht entsprechend auf die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen? Corona zeigt, dass Menschen durchaus fähig sind, sehr schnell auf eine Gefahr zu reagieren und drastische Maßnahmen zu ergreifen und zu akzeptieren. Warum sind dann ähnliche Maßnahmen nicht auch gegen den Klimawandel möglich? Ich denke, hier greifen v. a. drei Faktoren: (1) Der Schuldfaktor. Ich bin nicht schuld am Coronavirus. Dadurch kann ich seine Existenz akzeptieren und helfen, dass die Ausbreitung minimiert wird. (2) Der Statusfaktor. Der Coronavirus stellt nicht meinen Lebensstandard in Frage. Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus richten sich nicht gegen meine Lebensweise. (3) Der Gefährdungsfaktor. Der Coronavirus ist konkret und vor Ort, während der Klimawandel weiterhin für viele als nicht real oder weit entfernt vom eigenen Leben empfunden wird.

 

Im Grunde müsste unsere Antwort auf den Klimawandel die derzeitigen Maßnahmen gegen den Coronavirus bei Weitem übertreffen. Doch davon sind wir weit entfernt. Schade eigentlich. Das Leben ist so schön, auch ohne Auto, ohne Luxus; einfach mit wunderschöner Natur und guten Freunden. Das gilt es zu erhalten.

 

Vertrauen auf Fehler in der Wissenschaft wäre fatal

 

6.6.2017, Münchner Merkur

 

Einige der Leserbriefe zu Trump spiegeln die häufigen Erfahrungen wieder, die ich im Laufe meiner Vorträge mache – ein Unwissen vieler Menschen über die Ursachen und Folgen des Klimawandels. Es ist durchaus verständlich, dass dieses Unwissen weiterhin verbreitet ist, wird doch oft falsch über den Klimawandel berichtet. Lassen Sie mich daher auf einige wenige Punkte eingehen:

 

Dass es „extrem viel Geld“ koste, die notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz durchzuführen, ist falsch – der IPCC beschrieb schon 2014, dass die notwendigen Maßnahmen 0,06% des jährlichen globalen Wirtschaftswachstums kosten würden. Das ist sicherlich viel Geld, aber durchaus machbar – v.a. in Anbetracht der Tatsache, was passieren würde, wenn wir nicht rechtzeitig handeln. Allein bis 2050 könnten mehrere 100 Millionen Menschen ihre Heimat verlieren – auf Grund des durch den Klimawandel verursachten Meeresspiegelanstiegs, sowie extreme Hitze- und Dürreperioden. Wohin sollen diese Menschen gehen? Wie sollen sie sich schützen? Der Ökonom Sir Nicholas Stern spricht daher auch vom größten Marktversagen der Menschheit. Hier von einem Preis-/Leistungsverhältnis zu sprechen erscheint mir makaber.

 

Was wären denn „vernünftigere Sachen“ als 100% Erneuerbare Energien, Isolierung der Häuser, Ausbau der Energie-Effizienz und Schutz von Wäldern und Mooren? Das Tolle an diesen Maßnahmen ist doch, dass sie auch ganz ohne Klimawandel positive Auswirkungen haben – sie befreien uns von der Abhängigkeit von endlichen fossilen Rohstoffen; sie helfen uns, massiv Geld zu sparen; sie schaffen Frieden, weil Kriege für fossile Energien überflüssig werden; und sie schützen die Biodiversität, deren starker Rückgang eine weitere Gefahr für die Menschheit birgt.

 

meiner Ansicht nach sind die wichtigsten Gründe gegen den kliamschutz zu wettern: Angst vor Veränderung und die Hoffnung nach kurzzeitigem Profit. Hier sollte man bedenken: Wer Angst vor Veränderungen hat, wäre gut beraten, mitzuhelfen, den Klimaschutz schnell voranzutreiben; denn die Veränderungen, die wir durch Untätigkeit erleben würden, werden sehr wahrscheinlich um ein Vielfaches größer und unangenehmer als die, welche durch einen Umbau unserer fossilen Wirtschaft entstehen. Und wer Angst um seinen Profit hat, der sollte möglichst schnell seine Gelder aus fossilen Anlagen herausnehmen („Divestment“), um noch vor dem Platzen der Kohlenstoffblase seine Gelder zu sichern.

 

Von wegen Bevölkerungswachstum – die Bewohner westlicher Staaten erzeugen um ein Vielfaches mehr CO2 als die meisten Afrikaner oder Asiaten. Wenn man die gesamten CO2 Emissionen einzelner Länder seit der Industrialisierung aufaddiert, dann steht Deutschland an 5. Stelle! Deutschland hat also durchaus eine Verantwortung, seine Emissionen drastisch zu senken; und es hat eine Vorbildfunktion, um anderen Ländern zu zeigen, wie ein hoch-industrialisiertes Land mit 100% Erneuerbaren Energien gut auskommen kann. Dass das möglich wäre, zeigen mehrere Studien – wir müssten nur endlich die vorhandenen Technologien massenhaft einsetzen. Und bitte sagen Sie nicht, das wäre zu teuer!

 

Im Übrigen sind sich 97% aller Wissenschaftler einig, dass der Klimawandel existiert, menschengemacht und bedrohlich ist. Es wäre natürlich das Beste, was uns als Menschheit passieren könnte, wenn all diese Wissenschaftler falsch liegen würden. Darauf zu vertrauen wäre fatal.

Das Wesentliche vergessen: Nachhaltiger Bankwechsel!

 

Münchner Merkur, April 2017

Es überrascht mich sehr, dass Sie bei Ihren Ratschlägen, auf was man beim Bankenwechsel achten soll, nicht auf nachhaltige Geldanlagen eingehen. Wie kommt´s? ist Ihnen nicht bewusst, dass unsere Geldanlagen direkt unser aller Zukunft – nicht nur die unseres eigenen Geldbeutels – beeinflussen? Denn je nachdem, wo unser Geld liegt, werden damit Projekte finanziert, die man persönlich eventuell nicht finanzieren würde – darunter z.B. Öl-Pipelines, Mountain-Top-Removal u.a. Solche Geldanlagen sind nicht nur moralisch schwierig, sondern auch wirtschaftlich heikel, da mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien die fossilen Energien in Kürze stark an Wert verlieren werden. Um diese Kohlenstoffblase zu vermeiden und um unsere Zukunft vor einer Klimakatastrophe zu schützen, sind alle Menschen angehalten, ihre Gelder den Institutionen zu entziehen, welche die fossile Industrie direkt oder indirekt unterstützen („Divestment“). Und dazu gehören v.a. auch Banken.