Amphibien und Reptilien vom Klimawandel bedroht

Glasfrösche – wie die hier abgebildete Art Hyalinobatrachium bergeri – leben im Regenwald der Anden und sind sehr anfällig auf Trockenheit. Foto: Ignacio de La Riva
Glasfrösche – wie die hier abgebildete Art Hyalinobatrachium bergeri – leben im Regenwald der Anden und sind sehr anfällig auf Trockenheit. Foto: Ignacio de La Riva

 

Eine Übersichtsstudie, die heute im online Journal Royal Society Open Science veröffentlicht wurde, zeigt gravierende Auswirkungen des Klimawandels auf Amphibien und Reptilien in der ganzen Welt. Erstellt wurde die Studie unter der Federführung von WissenLeben e.V., in Kooperation mit WWF Deutschland, dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, und Wissenschaftlern aus Universitäten in Israel, Spanien und den USA.

 

Die Studie untersuchte 104 Artikel aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften, die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Reptilien und Amphibien beschäftigten. Erstmals wurde somit ein umfassenderer Blick auf die Effekte des Klimawandels auf diese Tierarten ermöglicht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Zwei von drei Artikeln fanden schon heute Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Amphibien- und Reptilienbeständen. In über der Hälfte der untersuchten Fälle wiesen die Forscher einen negativen Effekt nach.

Erhöhte Lufttemperaturen können dazu führen, dass dem madagassischen Teppichchamäleon weniger Zeit zur Nahrungssuche verbleibt. Foto: Ignacio de La Riva
Erhöhte Lufttemperaturen können dazu führen, dass dem madagassischen Teppichchamäleon weniger Zeit zur Nahrungssuche verbleibt. Foto: Ignacio de La Riva

 

Negative Auswirkungen des Klimawandels zeigten sich unter anderem darin, dass Bestände zurückgehen und Ausbreitungsgebiete kleiner werden. Diese Auswirkungen, verbunden mit dem schon existierenden Lebensraumverlust und Übernutzung fuer den kommerziellen Handel, setzen Amphibien und Reptilien massiv unter Druck. Andere häufige Auswirkungen - die Verschiebung von Ausbreitungsgebieten und Änderungen in der zeitlichen Abfolge von Verahltensweisen (Phänologie) - kann man weder als positiv noch als negativ klassifizieren, da es bisher unklar ist, welche Auswirkungen diese Änderungen haben werden.

 

Ein weiteres Ergebnis der Übersichtsstudie: Es gibt deutlich mehr Forschungsergebnisse über Reptilien und Amphibien aus Europa und Nordamerika als aus den Tropen. Dabei lebt der Großteil der Amphibien und Reptilien in den Tropen, und der Klimawandel hat dort schwerwiegendere Folgen als im Norden, wo einzelne Arten sogar von steigenden Temperaturen profitieren können. Um die Vielfalt an Amphibien- und Reptilienarten erhalten zu können, braucht es also nicht nur effektiven Schutz gegen Lebensraumverlust und Übernutzung, sondern auch mehr Forschung zur Bedrohung durch den Klimawandel gerade in den Tropen.

 

Kurzer Zwischenkommentar: Es ist sehr viel schwieriger, tropische Arten zu untersuchen als Arten in den gemäßigten Breiten. Denn die meisten tropischen Arten sind weniger leicht und weniger häufig anzutreffen. Daher wird bei Untersuchungen an solchen Arten eine weniger große Stichprobenzahl erreicht, die weniger beeindruckende Statistikergebnissen ermöglichen. Hier benöigt es dringend eine Änderung in der Beurteilung von Studien und im Ranking von WissenschaftlerInnen basierend auf ihren Publikationen in hochkarätigen Journalen. Auch Langzeitstudien sind wesentlich, um beurteilen zu können, ob Änderungen einen echten Trend anzeigen. Doch leider werden immer weniger Langzeitstudien finanziert. Innovative Kuzzeitstudien können aber nicht den Überblick verschaffen, der notwendig ist, um verlässliche Aussagen über die Auswirkungen des Klimawandels zu machen.

 

Direkte Auswirkungen des Klimawandels auf Tierarten sind sehr schwer nachzuweisen, da viele verschiedene natürliche und menschenverursachte Faktoren auf Tiere einwirken. Die Tatsache, dass Studien, die ausschliesslich klimatische Faktoren untersucht haben und Studien, die verschiedene Faktoren (Klima, Vegetation, Interaktionen,..) gleichzeitig untersucht haben, ähnliche Auswirkungen des Klimawandels nachweisen konnten, zeigt, dass der Klimawandel schon heute Populationen von Amphibien und Reptilien stark beeinflusst.

 

Im Grunde ist dieses Ergebnis nicht überraschend. Wir wissen schon lange, dass der Klimawandel dramatische Auswirkungen haben wird. Aber dass diese Auswirkungen schon heute so deutlich zu erkennen sind ist beunruhigend. der Klimawandel hat natürlich nicht "nur" Auswirkungen auf Amphibien und Reptilien, sondern gefährden viele andere Arten, inklusive den Menschen. Wir hoffen, dass diese Ergebnisse helfen, nicht nur dass Interesse an und den Schutz für Amphibien und Reptilien zu erhöhen, sondern auch dazu beitragen, sofortige Maßnahmen zur Dekarbonisierung voranzubringen.

 

Methodik:

Für die Studie wurden 104 Artikel verglichen, die zwischen 2005 und 2015 in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Damit wurden die Auswirkungen des Klimawandels auf insgesamt 195 Amphibien- und 118 Reptilienarten untersucht. Allerdings ist das nur ein relativ kleiner Anteil aller bisher bekannten Amphibien und Reptilien. Die meisten Artikel widmen sich zudem Arten in Europa und Nordamerika – insbesondere für andere Kontinente, die häufig eine weit höhere Artenvielfalt aufweisen, bedarf es daher weitergehender Forschung.

 

Link zur Studie:

Winter et al. 2016. Patterns and Biases in Climate Change Research on Amphibians and Reptiles – a Systematic Review. R Soc Open Sci. 3: 160158. http://dx.doi.org/10.1098/rsos.160158

WWF Broschüre Deutsch
160826_Amphibien Reptilien und Klimawand
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WWF Broschüre Englisch
160826_Amphibien Reptilien und Klimawand
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