Radln für Tempo 30

Eine kurze Zusammenfassung zu einer kleinen Radltour für eine hoffentlich bald großen Kampagne: "Mensch vor Auto"

 

Seit einigen Monaten bin ich Bundestagskandidatin der Ökologisch Demokratischen Partei Deutschland (ÖDP) im Wahlkreis 226 - Weilheim - Garmisch. "Warum tust du dir das auch noch an?", werde ich oft von Freunden gefragt. Langeweile oder Machtstreben ist es ganz gewiss nicht; sondern die Möglichkeit, mit einem neuen Ansatz Dinge ansprechen zu können, die mir wichtig sind - Klimaschutz, Energiewende, Naturschutz - und das liebe Auto.

Die Liebe zum Autofahren scheint in Deutschland fast schon mit der Muttermilch vergeben zu werden. Wer am Prinzip des "Auto vor Allem" rütteln möchte, der begeht "politischen Selbstmord", so wurde ich gewarnt. Dennoch haben wir von der ÖDP Kreisgruppe Weilheim- Garmisch eine Kampagne gestartet, um eine Bewusstseinsänderung anzustoßen:

 

"Mensch vor Auto"

 

Mit Hilfe dieser Kampagne wollen wir Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass im Straßenverkehr nicht nur die Autofahrer im Vordergrund stehen, sondern alle heutigen und zukünftigen Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt bedacht werden. Ein wichtiger Schritt dazu ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung innerorts.

 

Wir wollen durchsetzen, dass innerorts Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit festgesetzt wird. Die Lebensqualität würde dadurch entscheidend erhöht, denn

  1. Tempo 30 erhöht die Sicherheit, indem der Bremsweg im Vergleich zu Tempo 50 halbiert wird.
  2. Tempo 30 ist leiser. Die Lärmbelastung wird halbiert.
  3. Tempo 30 ist sauberer. Bis zu 75% weniger Kohlenmonoxid, bis zu 50% weniger feinstaub und Sickoxide werden produziert.

Jede Gemeinde soll dann regeln, welche Straßen Tempo 50 bleiben sollen - wie z.B. Durchgangstraßen. Mehr Informationen zu unserer Kampagne finden Sie auf den Seiten der ÖDP Weilheim-Schongau und Garmisch Partenkirchen.

Zwischenstop in Oberammergau
Zwischenstop in Oberammergau

Um unsere Kampagne "Mensch vor Auto" bekannter zu machen, bin ich fünf Tage lang durch unseren Wahlkreis geradelt - von Raisting über Murnau, Oberammergau, Garmisch nach Penzberg. Ich habe also keine langen Strecken zurückgelegt. Die Tour ging auch nicht darum, einen Rekord aufzustellen, sondern darum, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und Unterstützung für unsere Kampagne zu finden. Dabei habe ich einige sehr schöne Erlebnisse gehabt:

 

Radlpause in Unterammergau
Radlpause in Unterammergau

In einem Ort sammelte ich Unterschriften vor der lokalen Bäckerei. Dort parkte ein großer Pickup-Truck, dessen jungen Fahrer ich erst gar nicht ansprach - denn ich nahm an, dass er sicherlich nicht unsere Kampagne unterstützen würde. Meine Überraschung war groß, als er ganz begeistert auf mich zukam. Nicht nur, dass er sofort unterschrieb, er organisierte auch gleich mehrere andere Leute, um unsere kampagne zu unterstützen; noch dazu bekam ich einen Cappucino von der Besitzerin der Bäckerei spendiert. Vorurteile können also vollkommen falsch sein. Darauf werde ich in Zukunft mehr achten - sonst verpasse ich eventuell eine tolle Einladung!

 

In einem anderen Ort unterhielt ich mich sehr lange mit einem redefreudigen älteren Herrn, der am Ende ohne Unterschrift von dannen zog. Das war etwas frustrierend, denn in der Zeit hätte ich einige Unterschriften sammeln können. Als der gleiche Herr nach einiger Zeit (in Regen und Kälte) noch einmal auftauchte, war ich daher nicht wirklich begeistert - doch wer hätte das gedacht? Er meinte, dass ich mir seiner Stimme sicher sein könne, und wenn ich schon so lange dastehe, dann unterschreibe er auch. Interessant, was Menschen zur Unterstützung bewegt: Durchhaltevermögen wurde in diesem Fall wohl genauso stark geschätzt wie das Thema an sich.

 

Viele andere Menschen unterschrieben sofort, ohne genau durchzulesen, was auf unserer Liste steht - es war sehr schön, dass noch so viele Menschen einem Vertrauen schenken! Interessant war, dass fast jeder unterschrieb, wenn ich erwähnte, dass wir die Unterschriftenliste Alexander Dobrindt überreichen wollen. Da kamen oft Kommentare wie "Oh, Dobrindt?! Ärgert ihn das? Dann unterschreibe ich sofort!" Da konnte einem unser Verkehrsminister fast leid tun...

 

Insgesamt hat es sehr gut getan, sich einige Tage ganz auf das Radln zu konzentrieren; nur daran zu denken, ob es sich lohnt, die Regenjacke auszuziehen oder nicht, wo der Weg abiegt und wo ich mich am besten für die Unterschriftensammlung platziere. Jeder, der sich gerne mal kostensparend und klimafreundlich erholen möchte empfehle ich eine Radltour durch´s wunderschöne Blaue Land - gerne mit einigen Unterschriftenlisten im Gepäck.

Unterschriftenliste Tempo 30
2017_Unterschriftenliste-Tempo_30.pdf
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Flyer zu Tempo 30
Tempo 30 Flyer_20170706.pdf
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Kommentare: 2
  • #1

    Raphael (Samstag, 29 Juli 2017 21:58)

    Glückwunsch zu dieser gelungenen Tour - das hört such nach Wiederholung an...

  • #2

    Maiken (Samstag, 29 Juli 2017 22:22)

    Ja, sofort..Aber dann bitte ohne Dauerregen...wobei - immerhin hat es sich gelohnt, einen Fahrrad-Poncho zu kaufen. ;)