Das Klima kennt keine Kompromisse

Der Weg zum effektiven Klimaschutz ist nicht immer klar. Foto: Maiken Winter
Der Weg zum effektiven Klimaschutz ist nicht immer klar. Foto: Maiken Winter

Eine Leserumfrage:
Sind Kompromisse besser als Klartext?

 

Ihre Meinung ist gefragt. Wie sollen / müssen wir argumentieren, um effektiven Klimaschutz zu ermöglichen?

 

Sollen wir Klartext reden und dabei riskieren, Menschen dadurch zu verprellen oer gar abzustoßen?

 

oder

 

Sollen wir vorsichtig argumentieren und dabei riskieren, dass Menschen weiterhin die Dringlichkeit nicht verstehen?

 

Nehmen wir ein - reales - Beispiel aus meiner Heimatregion:
In Weilheim, OB, soll eine Umfahrungsstrasse gebaut werden. Beide Varianten - Ost und West - würden wunderschöne Natur zerstören. Eine Tunnelvariante wäre sehr teuer. Ein Tunnel in Deckelbauweise würde am wenigsten Natur zerstören und wäre sehr viel billiger als ein "richtiger" Tunnel.

 

Dann ist ein Tunnel mit Deckelbauweise der geniale Kompromiss, oder?

Meine Meinung:

 

Nein! Denn das Klima kennt keine Kompromisse.  Indem man kompromissbereit ist, setzt man voraus, dass das Klima wartet. Tut es aber nicht. Im Gegenteil. Die Veränderungen werden immer schneller.


In dieser Zeit einer drohenden globalen Klimakatastrophe weiter den Autoverkehr zu fördern geht in eine vollkommen falsche Richtung, egal mit welcher Bauweise. Wir brauchen radikale Änderungen in unserer Beziehung zu Autos und zum Transport im Allgemeinen - weg vom Individualverkehr, hin zu öffentlichem Nahverkehr, zu Home Office und reduzierten Arbeitszeiten. Wir brauchen nicht immer mehr gestresste Menschen die immer weiter pendeln ... wir brauchen mehr Ruhe, mehr Zeit füreinander, für Genuss von Natur, Nahrung, Freundschaften, Nachbarschaften. Wir brauchen eine radikale Abwendung von dem was uns die Werbeindustrie als so unglaublich wichtig aufschwätzt, hin zu den Dingen, die wirklich wichtig sind: Gesundheit, Freundschaft, Glück.  Und ich bin überzeugt: Weder eine Umgehungsstrasse noch ein Tunnel wird die Weilheimer glücklicher machen.

 

Daher meine ich: Wir brauchen weder Umfahrung noch Untertunnelung. Wir brauchen besseren und billigeren Nahverkehr, Ausbau des Stadtbusses, mehr Möglichkeiten für Home Office und mehr gegenseitige Unterstützung / Gemeinschaft.

 

Kompromisse mit der Hoffnung, dass sie zumindest weniger schlimm sind als andere Lösungen, reichen nicht mehr aus. Wenn wir so tun als ob Kompromisse ok wären - wie sollen da die Leute verstehen wie dringlich es ist, eine globale Katastrophe aufzuhalten?

 

 

Wenn das Haus brennt, dann nimmt man ja auch nicht als Kompromiss einen Zahnputzbecher, um das Feuer zu löschen - mit dem Hinweis, dass man später ja immer noch die Feuerwehr rufen kann.

 

Aber verlieren wir durch Klartext wichtige Unterstützer die erst langsam an das Thema herangeführt werden müssen? (Nur...das Wort "langsam" ist ja leider problematisch.) Gibt bzw. braucht es eventuell doch genau den Kompromiss den ich so stark ablehne?

 

Was denken Sie?

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Kommentare: 9
  • #1

    Helmut Stange (Mittwoch, 23 Oktober 2019 00:20)

    Klimakrise ? Lösungen zur Klimkrise ? Wie mit Menschen sprechen ? Wie Menschen bewegen ?

    Nie über die Klimakrise sprechen, ohne Lösungen aufzuzeigen.
    Die Fakten zur Klimakrise müssen klar vermittelt werden. Keine Kompromisse.
    Menschen aufzeigen, wie sie und ihre Kinder ganz persönlich betroffen sein werden. Rückfragen, was sie zur Klimakrise und ihren Kindern denken.
    Die guten Lösungen zur Klimakrise müssen klar vermittelt werden. Da muss auch vermittelt werden, was nicht mehr geht und was nicht mehr sein darf. Auch ganz deutlich. Keine Kompromisse.
    Aber dennoch persönliche Freiheit lassen. Jeder muss selbst entscheiden. Niemanden drängen. Nur Vermittlung. Immer freundlich. Aber keine Kompromisse.
    Klar machen, dass das jetzt ein großer Lernprozess für alle ist.
    Einladen dazu, eigenen Beitrag zu leisten. "Was werden Sie jetzt machen ?" Oder: "Was denken Sie, was sie da jetzt machen könnten ?" Menschen ins Überlegen bringen.
    Fragen, ob Menschen noch Informationen brauchen. Gute Informationsquellen anbieten.
    Immer empathisch vorgehen. Immer zuerst den Menschen sehen. Es auch wirklich so meinen.
    Immer auf persönliche Problemlagen, was jetzt den erforderlichen Wandel angeht, eingehen.
    Sorgen und Ängste von Menschen immer ernst nehmen. Sie dazu auch länger anhören.
    Gefühle nicht abwehren. Gründe für die Gefühle erkunden. Hören, was Menschen zu sagen haben.
    Gemeinsam nach Lösungen suchen. Wiederum aufzeigen, wo Menschen zu Lösungen weitere Informationen bekommen können. Auch auf bestehende Gruppen zur Arbeit gegen die Klimakrise und für Lösungen verweisen, wo Gleichgesinnte zu finden sind.
    Nicht nur individuell vorgehen, sondern immer auch Politik, Staat und Wirtschaft mitdenken. Was müssen die machen ? Was müssen wir machen ? Wie muss das zusammengehen ? Auch das vermitteln.
    Klar machen, dass in allen Bereichen gleichzeitig jetzt Wandel in Gang kommen muss und das aber jetzt auch schon im Gange ist.
    Keine großen Debatten führen. Einfach davon ausgehen, dass jetzt etwas getan werden muss und das wie selbstverständlich vermitteln. Hier sind wir ! Das ist die Weltlage ! Was ist zu tun ? Und dann möglichst nur konkret gemeinam nach Lösungen suchen.
    Menschen den Eindruck einer großen weltweiten Bewegung gegen den Klimawandel geben.
    Mutmachen. "So viele Menschen sind da jetzt schon unterwegs."

    Also: keine Kompromisse ! Nein sagen lernen. Und mit einem großen Ja aber dann immer gute Lösungen aufzeigen. Und immer mit Mitgefühl. Auf Probleme, die angesprochen werden, konstruktiv eingehen. Selbst dabei dazu lernen.

  • #2

    Jürgen Ott (Mittwoch, 23 Oktober 2019 00:46)

    Ich denke, es ist wichtig und richtig, in den Diskussionen seinen Standpunkt im Klartext zu vertreten.
    Trotzdem wird man bei Mehrheitsentscheidungen in der Regel Kompromisse eingehen müssen. Bezogen auf die Weilheimer Entlastungsstraße will ich das mal beispielhaft verdeutlichen. Den von Ihnen genannten Argumenten kann ich inhaltlich vollkommen zustimmen, halte sie aber im Moment hier nicht für mehrheitsfähig. Bestünde dann bei einer Abstimmung die Möglichkeit, dass meine Stimme das Zünglein an der Waage ist, würde ich "zur Schadensminderung" dem Kompromiss eines Tunnels zustimmen, weil ich das immer noch für besser halte als jeglicher Art der oberirdischen Umfahrung. Doch auch eine solche Haltung sollte von Anfang an klar kommuniziert werden.

  • #3

    Maiken Winter (Mittwoch, 23 Oktober 2019 16:44)

    Danke für eure Beiträge.
    Spezifisch zur Umgehungsstrasse: Ich denke , ein Willen zum Kompromiss akzeptiert ein "Weiter-so-wie-bisher". Natürlich müssen die Anwohner entlastet werden. Aber dazu benötigt es keine Entlastungsstrasse (die noch dazu erst in vielen Jahren fertiggestellt ist) sondern ein Entlastungs-Mobilitätskonzept das darauf abzielt, den Verkehr zu verringern. Eine Untertunnel entlastet die Anwohner, irgendwann, aber er bewirkt keine Veränderung in der Menge der Fahrzeuge. Ein geändertes, effektives Mobilitätskonzept für Weilheim entlastet die Anwohner fast sofort und verringert den Verkehr.
    Wenn wir den Kimawandel ernst nehmen, dann ist ein Weiter-so-wie-bisher einfach nicht akzeptabel. Eine Schadensminderung reicht nicht aus, um eine Klimakatastrophe zu vermeiden. Und wenn wir nicht alle bereit sind, uns dafür möglichst effektiv einzusetzen, dann schaffen wir es nicht, rechtzeitig eine Wende hinzukriegen.

  • #4

    Helmut Stange (Mittwoch, 23 Oktober 2019)

    Ich sehe es so wie Maiken. Es macht keinen Sinn, einer von zwei schlechten Lösungen, die jetzt beide völlig daneben sind, zu zu stimmen. Besser ist es, offen und deutlich allen Teilnehmenden dann klar zu sagen und das auch öffentlich zu kommunizieren: die eine wie die andere Lösung ist jetzt schlichtweg falsch. Nicht nur falsch, sondern lebensgefährlich. Deswegen geht es auch darum, aus dieser Demokratie in solchen Fällen gewissermaßen aus zu steigen. Immer mit guter Begründung. Bevor Demokratie funktionieren kann, braucht es erst mal Bildung. Daran muss gearbeitet werden. Und jedes Abstimmen im Rahmen einer Demokratie ohne Bildung ist verfehlt. Dann muss außerparlamentarisch Widerstand gegen die Entscheidungen geleistet werden. Und der ist auch völlig legitim dann. Eben weil die Bildung fehlt. In diesem wie im anderen Fall der Autostraßenplanung muss dem, was beschlossen wurde, Widerstand entgegen gesetzt werden, falls nicht andere Arbeit, eben Bildungsarbeit jetzt gerade wichtiger ist. Also besser aus "demokratischem" Entscheiden heraus gehen und Bildung derer, die da entscheiden, voran bringen. Eben auch mit Widerstand nachhelfen. Die fehlende Bildung und insofern auch die fehlende Verbindung zur Wissenschaft, was bei der Klimakrise so deutlich wird, ist ein sehr grundlegendes Problem der Demokratie heute. Wo in derartiger Demokratie die Vernunft derart arg abgewehrt wird, von lokaler bis nationaler Ebene, da haben diese Entscheidungen auch keine tiefere Legitimation. Das sollte immer deutlich gemacht werden. Nicht mehr mitmachen, das entzieht auch Legitimation. Das ist wichtig. Deshalb haben wir im Grunde heute bei so geringen Wahlbeteiligungen auch nur begrenzt Demokratie in Deutschland. Das wird nur verleugnet und schadet aber der Demokratie sehr. Das müsste viel mehr deutlich gemacht werden. Ansonsten öffnet es der Willkür der Politiker noch mehr Tür und Tor. Sie denken, sie könnten einfach so weiter machen. Und heute ist Widerstand gegen all diese Politiker, die sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen so verschließen, eigentlich Pflicht. Ihnen muss öffentlich jede Legitimation entzogen werden. Alles Andere ist im Grunde Komplizenschaft. Und: ohne tiefere Auseinandersetzugen wird es keine Lösung geben. Nein, nicht mehr mitmachen ! Neue Wege gehen. So, wie Rezo sehr gute Ergebnisse mit seinem Video gebracht hat. Er hat massiv Legitimation entzogen. Er hat Klartext gesprochen und das muss weitergehen. Er hat etwas getan, was viele Menschen zuvor als zu massiv, zu konfrontativ verstanden haben. Aber genau das war richtig. Und er hat es sehr gut menschlich begründet. Darauf kommt es an. Aber es kommt eben auch darauf an, diesen alten Autopolitikern die besseren Lösungen aufzuzeigen. Sie einzuladen, da auf neuen Wegen mitzukommen und mitzumachen. Ihnen die besseren Alternativen aufzuzeigen. Wir haben aber gelernt, unterwürfig auf alten Wegen weiter zu laufen. Auch eben auf den alten Wegen einer Demokratie, die dringend umgestaltet werden muss. Auch da sind neue Wege angesagt.

  • #5

    Jürgen Ott (Mittwoch, 23 Oktober 2019 21:05)

    Herr Stange, ich gebe Ihnen Recht, dass wir den "alten Autopolitikern" bessere Lösungen aufzeigen müssen. Auch, dass beim Thema Bildung und Demokratie Vieles im Argen liegt. Auch außerparlamentarischer Protest ist legitim, aber ein "Aussteigen aus der Demokratie" halte ich für den falschen Weg. Wer definiert denn, wer ausreichend Bildung hat, um an einer demokratischen Abstimmung teilzunehmen? Und wird Bildung dann zur Umerziehung im Sinne einer (Öko-)Diktatur? Da muss ich sagen, nein Danke!

    Ich bin selbst promovierter Naturwissenschaftler und habe gelernt, eigene Standpunkte und Ergebnisse auch mal kritisch zu hinterfragen. Selbst Genies wie Einstein haben sich ja in manchen Punkten geirrt - das sollten wir nicht vergessen und das unterscheidet auch einen seriösen Wissenschaftler von einem Ideologen.

    Ja, es kann sein, dass der aktuelle Klimawandel lebensgefährlich ist; deshalb sollte die Menschheit auch daran arbeiten, ihre Lebensgrundlagen nicht zu zerstören. Aber angesichts der geologischen Entwicklungen und astronomischen Einflüsse, denen unsere Erde seit ihrer Entstehung ausgesetzt war, ausgesetzt ist und bis zu ihrem Ende unweigerlich ausgesetzt sein wird, halte ich es schlicht für irrelevant, ob man sich einem Kompromiss verschließt oder nicht. Zum Beispiel entwickelt sich unter der Laguna del Maul in Chile ein Supervulkan. Dort hat sich der Boden zwischen 2004 und 2007 um 20 cm pro Jahr angehoben. Die in diesem Gebilde steckende Energie reicht für einen Ausbruch, wie es ihn noch nie seit Beginn der Menschheit gegeben hat (siehe Spektrum der Wissenschaft August 2019, Seite 46ff). Sollte der in den nächsten hundert Jahren ausbrechen, spielt das, was die Menschen bis dahin in die Atmosphäre blasen, keine Rolle mehr. Auch ein nur mittelmäßiger Asteroideneinschlag (so wie der, der seinerzeit das Nördlinger Ries hat entstehen lassen), hätte wohl mehr Einfluss auf unser Klima. Zu diesem Thema empfehle ich die Lektüre von Philip Plait "Tod aus dem All".

    Zu all dem kommt auch noch die Gefahr der Zerstörung unser Lebensgrundlagen durch kriegerische Auseinandersetzungen, Abholzen der Regenwälder, Verschmutzung der Meere (auf diesen gibt's ja auch noch die Schweröl verheizenden Kreuzfahrschiffe) usw.

    Wenn man all das mit einbezieht, vergibt man sich nichts mit einem kleinen Schritt in die richtige Richtung (Kompromiss). Ich halte es einfach für besser als aus Prinzip auch diesen zu verhindern. Vielleicht sollte man sich Lawinen als Beispiel nehmen. Die beginnen auch oft mit einem kleinen, alles anstoßenden "Schneeball", aber wenn sie das Tal erreichen, sind sie kaum mehr zu stoppen ...

  • #6

    Andi Reichel (Freitag, 25 Oktober 2019 20:48)

    Für mich ist die Demokratie eine ständige Diskussion. Dabei möchte ich meine Meinung im Klartext aussprechen, in der Hoffnung, daß sie verstanden wird (ohne zu interpretieren oder mir "das Wort im Mund umzudrehen"). Weil Diskussion für mich kein Selbstzweck ist, sondern die Suche nach Mehrheit, steht am Ende eine Kompromisslösung, auf die sich die Beteiligten (mehr oder weniger) einigen. Also ist die Frage m.E. kein "Entweder-Oder", sondern ein "Sowohl - als auch".
    Ich erinnere mich an die intensiven Diskussionen um das Waldsterben 1981, da war auch "Feuer am Dach" und manche fürchteten sich vor dem "Ökofaschismus". Die heftigen Diskussionen haben viel auf den Weg gebracht (politisch zu langsam), aber sie haben auch Viele verschreckt.
    Aus wirtschaftlicher Sicht halte ich ein kluges Anreizsystem der Politik für sehr effektiv.
    Im Fall Weilheim also für den ÖPNV, carsharing, Sammeltaxi on demand etc.
    Dazu brauchen wir aber andere Politiker in den Entscheidungspositionen.
    Um dies zu erreichen brauchen wir Wählermehrheiten - und das heißt, daß wir empathisch diskutieren müssen.
    Nicht belehrend und weder anklagend noch abschätzig ggü. anderen Ansichten.
    Darin liegt für mich die größte Herausforderung: Zu akzeptieren, daß jeder Mensch aus seiner Sicht sinnvoll denkt und handelt.

  • #7

    Helmut Stange (Samstag, 26 Oktober 2019 01:39)

    Lieber Herr Ott,

    Sie sagen: "Ja, es kann sein, dass der aktuelle Klimawandel lebensgefährlich ist." Ich denke schon, dass er das ganz deutlich ist. Leider. Aber ansonsten dürfen Sie gerne weiter demokratische Kompromisse machen. Ich halte auch sehr, sehr viel von Demokratie. Und an solch einer Entscheidung hängt es jetzt allein auch nicht. Aber es hängt dann wiederum schon an hunderttausend solchen einzelnen Entscheidungen. Deshalb fordern sie selbst jetzt eigentlich die Diktatur heraus. Weil es ohne die richtigen vielen, vielen Entscheidungen von immer mehr Menschen immer schlimmer werden wird und dann ist nach aller Erfahrung die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Diktatur kommen wird. Ich mag gar nicht daran denken. Es wird aber vermutlich keine Öko-Diktatur sein, sondern eine schlimme politisch rechts gerichtete Diktatur, die dann alles nur noch schlimmer machen wird. Diese Rechtsbewegung sehen wir jetzt allenthalben. Zur Zeit aber mehr durch ökonomische Problemlagen bedingt. Wenn die Klima-Katastrophen dann noch weiter hin zu kommen, die auch dann immer größere wirtschaftliche Schäden mit sich bringen werden, dann wird es noch schlimmer. Auch: der Klimawandel wird unglaubliche Flüchtlingsströme in Gang setzen. Also aber jetzt schon ist die ökonomische Lage weltweit sehr verfahren. Auch da sind größere Katastrophen in Sicht. Und dann eben geht es weiter nach rechts. Richtung Diktatur schließlich. Eben rechts gerichtete Diktatur. Gerade hat ein wichtiger Zentralbank-Mann aus England wieder so eine warnende Rede dazu gehalten. ..... Und dann: es geht immer darum, da etwas zu tun, wo Möglichkeiten sind oder noch Möglichkeiten sind. Bei Supervulkanen ist das nicht gut möglich. In Italien gibt es auch so einen. Bei größeren Asteroiden auch nicht. Aber das ist nun auch keine sinnvolle Diskussion. Menschen hnadeln da, wo sie genaueres Wissen und Handlungsmöglichkeiten haben. Das Problem aber ist im Grunde hier jetzt, dass Sie vielleicht noch nicht genügend Wissen zum Klimawandel haben. Sonst würden Sie solche eine Aussage wie die, dass er lebensgefährlich sein könnte, definitiv nicht machen. Sie würden sagen, dass insgesamt betrachtet eine größere Katastrophe auf uns zu kommt, wenn es uns nicht gelingt, den weiteren Klimawandel aufzuhalten. Und Sie würden sagen: liebe Leute, so ganz viel Zeit ist da jetzt nicht mehr ! Und Sie würden sagen: wir sind doch verrückt, wenn wir da jetzt nichts machten. .... Das Problem heute aber ist und ist es aber schon länger, eigentlich von Anfang an, dass wir mit der Technik, die wir in die Welt setzen, die ganze Welt zerstören, weil wir mit deren Risiken nicht sinnvoll um gehen können. Und Sie haben recht: da kommen neben dem Klimawandel noch weitere ungeheure Probleme dazu, die sich dann gegenseitig auch noch verstärken. Und all das ist in vollem Gange so. Und eben viele Politiker haben ganz deutlich viel zu wenig Bildung dazu und schaffen so beständig sogar noch neue Probleme oder verschlimmern die bisherigen noch. Das ist überall zu beobachten. Aber sie sind auch nicht bereit, sich diese Bildung zu erarbeiten. Und zum Teil fehlt geeignetes Wissen, was das Lösen von größeren Problemen in einer Gesellschaft angeht, sogar auch an den Universitäten. Oder es wird nicht von dort weitervermittelt. Eine verfahrene Lage. .... Falls Sie weitere Informationen zur gegenwärtigen Weltlage, was den Klimawandel anbetrifft und auch zu Lösungsmöglichkeiten haben möchten, könnte ich Ihnen eine umfassende Internet-link-Liste zusenden. Da könnten Sie zumindest einen guten Überblick bekommen. Es ist aber ein bisschen schwer zu ertragen. Und weil das so ist, verdrängen viele Menschen das auch. Psychologisch verständlich, aber dann auch fatal. Deshalb ist es so wichtig, auf die Lösungen zu schauen, die im Grunde alle vor uns liegen. Aber ein bisschen umstellen müssen wir uns schon. Und da ist es sicher nicht hilfreich, immer gleich von Öko-Diktatur zu reden. Besser ist es, selbst die Probleme mit anzugehen. .... Freundliche Grüße an Sie.

  • #8

    Helmut Stange (Samstag, 26 Oktober 2019 02:05)

    Hallo Herr Reichel,

    neben Taxi, Sammeltaxi, ÖPNV, car-sharing, Leihwagen auch heute immer an das Elektro-Fahrrad denken. Für einfache Strecken bis 10 km allemal gut heute. Dazu Bewegung und frische Luft. Und Kombinationen von all dem. Und dann auch Kombination mit der Bahn im Regional- und Fernverkehr. Das muss nun alles mehr ausgebaut werden. Da brauchen dann nur Menschen in abgelegenen Gegenden noch ein Auto. Und car-sharing bleibt auch da meist noch eine Option, wenn nicht alle nun da von dem Ort aus pendeln müssen. Dann besteht auch noch die Möglichkeit, Fahrgemeinschaften zu bilden. Und Autofahrer müssen es jetzt langsam auch mal anders sehen. Wenn es durch Nutzung des von mir hier beschriebenen Umweltverbundes eine etwas längere Pendelzeit geben solte, was aber nur auf dme Land gilt, bedeutet es auf der anderen Seite, dass nicht mehr so lange für die Anschaffung des Autos gearbeitet werden muss. Ansonsten kann es mit der bisherigen Zentralisierung auch so nicht weiter gehen. Es muss wieder mehr lokal und regional gewirtschaftet werden. Dann braucht es die Pendelei auch nicht mehr. Oder es kann auch einmal umgezogen werden näher an den Arbeitsort heran. Wir müssen lernen, mehr die vor uns liegenden Möglichkeiten, die alle da sind, auszuloten.

    Freundlicher Gruß an Sie.

  • #9

    Maiken Winter (Samstag, 26 Oktober 2019 11:05)

    Toll, dass sich hier so eine hitzige Diskussion entspannt.
    Ich denke, Herr Ott hat sehr wohl verstanden, um was es geht. Er hat nur eine etwas andere Sichtweise.
    Aber ich halte es auch für wesentlich, dass jeder das tut, was möglich ist - aus 1000enden von Aktionen wird dann hoffentlich noch rechtzeitig eine Wende. Und eine Umgehungsstrasse ist ja noch nicht einmal etwas Kleines. Allein die Kosten sind gewaltig. Wenn diese Gelder in zukunftsweisende Projekte gesetzt würden - Zweigleisigkeit, Radwege, besseres Bussystem,... - dann würde das ein wichtiges Zeichen setzen. Weilheim steht auf und widersetzt sich dem allgemeinen Trend des "Weiter-So!" Darauf könnten wir mächtig stolz sein; statt am Gängel der Autolobby einfach klein bei zu geben.
    Eines möchte ich noch einmal klarstellen:
    Es ist ja Fakt, dass die Modelle, mit denen das CO2-Budget berechnet wird, deswegen eine 33% Wahrscheinlichkeit erlaubt, dass wir es mit dem errechneten Budget nicht mehr schaffen, weil eine Berechnung mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr möglich ist. D.h., würde man z.B. "nur" eine 20%ige Wahrscheinlichkeit zulassen (die ja auch schon aberwitzig hoch ist), dann müssten wir heute schon Netto-Null Emissionen haben.
    Wer setzt sein Kind in einen Schulbus, der mit 20%iger Wahrscheinlichkeit einen tödlichen Unfall hat?! Wer würde in so einem Fall sagen, ach, ich setzte mein Kind trotzdem rein, vielleicht haben wir ja Glück?! Oder, na ja, ich setze es rein weil vielleicht eh ein Supervulkan bald ausbricht?